Jesus nimmt die Sünder an
Ein Lebensbild des Lehrers Heinrich Witt (von Karl Witt)
Heinrich Witt war ein Schleswig-Holsteiner. In einem einsamen Dörfchen, in Brande, das zum Kirchspiel Hörnerkirchen gehört, wurde er durch die Gnade Gottes am 19. September 1830 geboren. Was andern Kindern die ersten Lebenspfade erhellt, was ihnen die Erinnerung an ihre erste Jugend so lieb und wert macht, ein sonniges Elternhaus, das hat er leider niemals kennen gelernt. Der Vater hatte der Mutter unseres kleinen Heinrich die Treue gebrochen und sie im Stiche gelassen; so blieb der Kleine, während seine Mutter in die Fremde ging, bei seiner Großmutter, in deren Hause ihm auch das Leben geschenkt worden war. Hier konnte er in Garten und Feld, in Busch und Hecken bei Wind und Wetter sich lustig nach Knabenart tummeln. Und wie verwuchs er mit Gottes schöner Natur, als er mit bloßen Füßen und nackten Beinen die Kühe hütete. Freilich, wenn dann der Herbst mit seinen kalten, regnerischen Tagen einsetzte und die Kühe ihm, wie es einmal vorkam, die wärmenden Strümpfe verzehrten, da hat er auch jämmerlich frieren müssen. Aber auch das lag ohne Zweifel in der Vorsehung Gottes, um den zarten Knaben abzuhärten und seine Gesundheit zu befestigen.
Das Lesen hat er auf dem Schoße seiner Großmutter gelernt, und zwar buchstabierend an der Hand der Bibel, wie man es damals nicht anders kannte. Bald waren ihm ganze Teile der Heiligen Schrift bekannt, aber ein inneres Interesse an derselben gewann er nicht.
Seine Mutter hatte inzwischen einen Händler geheiratet und in Kellinghusen Wohnung genommen. Dorthin musste auch ihr nunmehr zwölfjähriger Sohn übersiedeln, damit er ihr verdienen helfe. Das war mit einem Male ein ganz anderes Leben. Nun musste er mit seiner Mutter auf die Dörfer zum Handeln ausgehen. Eine Zeit lang erhielt er täglich Geigenunterricht, und er war im Üben so fleißig, dass er schon bald des Abends mit zum Tanz aufspielte. Das war natürlich für seine Entwicklung nicht günstig, aber der Herr hielt Seine bewahrende Hand über ihn. Für die Schule hatte er jegliches Interesse verloren; stand er, der Dorfschüler, doch weit hinter den Besten in seiner Klasse zurück. Während des Unterrichts saß er da wie ein Schlafender. Erst im letzten Schuljahr erwachte wieder eine brennende Begierde zum Lernen. Schmerzlich bereute er seine bisherige Trägheit, und der Entschluss reifte in ihm, sich dem Lehrfach zu widmen, um nur immerfort lernen zu können.
Diese Umwandlung hing wohl aufs Engste mit dem Eindruck zusammen, den der Konfirmandenunterricht auf ihn machte. Anfänglich hatte dieser so wenig Anziehendes für ihn, dass er nicht selten demselben fernblieb oder hinter dem Rücken des Geistlichen die Mädchen neckte. Das änderte sich mit einem Schlage, als der Geistliche (P. Corpus - Kellinghusen) einen Traktat vorlas, in dem die Bekehrungsgeschichte eines alten Hirten erzählt wurde. Ein Hirte war er ja auch gewesen; wie er da aufhorchte! Aber was ihn noch mehr fesselte, was seine Seele geradezu ergriff, das war etwas ganz anderes: Durch diese einfache Geschichte redete Gott zu ihm! Er fühlte es ganz deutlich, dass Gott sein innerstes Sehnen befriedigen könnte und auch wollte. Ach, wenn er doch nur wie jener alter Hirte ein begnadigtes Kind Gottes würde! Alle Konfirmanden hörten diese Bekehrungsgeschichte, aber wohl nur ihm ging sie zu Herzen. Er war nun vom Heilande ergriffen worden, um nie wieder von ihm losgelassen zu werden. Er, von dem man in besonderer Weise sagen konnte, dass er aus sündlichem Samen gezeugt worden war, durfte die Gnade Gottes vor anderen erfahren.
Durchgerungen
Witts erste Stelle nach seiner Seminarzeit war die eines Hauslehrers bei dem Gutspächter Jeß auf Hagen bei Kiel. Diese Zeit war für ihn vielleicht die gesegnetste seines Lebens. Viele Seelenkämpfe hatte er hier zu bestehen, die aber sehr zu seinem inneren Wachstum dienten. Hier war es auch, wo er endlich die Wiedergeburtsgnade an seinem Herzen erfuhr. Aber, wie gesagt, er ging durch viele, viele Nöte hindurch.
Aber der treue Gott ließ ihn nicht ungetröstet in dieser Finsternis, sondern entsandte in die Nacht seiner ringenden Seele einen hellen Hoffnungsstrahl. "Es gibt eine Herzensstellung," schrieb Witt damals aus diesem Zustande heraus, "bei welcher man fröhlich und lustig in die Welt hineinlebt wie der Vogel in der Luft." Und nun erkannte er es auch, dass man sich nicht aus der eigenen Kraft den Himmel verdienen kann, sondern dass der Mensch der Gnade Gottes bedarf, die uns in Jesu erschienen ist. Er lernte dafür zu danken und sich dieser Gnade Gottes zu befehlen. Ja, nun wurde es anders! Schon spürte er eine kleine göttliche Kraft in seinem Leben und freudig ruft er aus: "Eine Veränderung ist in mir vorgegangen, eine heilsame auch." "Das erkenne ich klar," teilte er einem Freunde mit, "wir müssen Christen sein, nicht halb, sondern ganz; wir müssen durchaus ganz in des Herrn Dienst treten, müssen den Eigendienst und den Weltdienst gänzlich aufgeben, dann haben wir einen seligen Beruf., Im andern Falle sind wir unglückliche, bedauernswerte Menschen. Nun, ich will's, und ich hoffe zu Gott, ich werde keine Grille bleiben, sondern durch Seine helfende Hand eine Höhe nach der andern ersteigen, einen Sieg nach dem andern feiern und endlich ganz Sein sein.
Der Streit mit den Eltern
Zu einer völligen Hingabe an den Herrn kam es jedoch noch nicht. Das sehen wir besonders aus Heinrichs Verhältnis zu den Eltern, mit denen er lange Zeit hindurch auf gespanntem Fuße lebte. Denn die hohe Bedeutung des vierten Gebots: "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden," kannte er noch nicht. Doch suchte er in seinem späteren Leben durch um so größere Liebe und Rücksicht seiner Mutter gegenüber alles wieder gut zu machen. Die Ursache zu dem Zerwürfnis mit seinen Eltern war die Frage: "Was soll unser Junge werden?" Er selber hatte sich längst entschieden, Lehrer zu werden. Doch zunächst trat der junge Witt bei einem Kaufmann in Itzehoe in die Lehre, aber schon vor Ablauf eines Jahres wollte ihn dieser seines schwächlichen Körpers wegen entlassen. Widerwillig gaben die Eltern nach und Witt nahm eine Stelle als Gehilfslehrer an, wo er mit dem Oberlehrer in einer Klasse arbeiten konnte.
Schon bald, nach einer halbjährigen Vorbereitung treffen wir den früheren Kaufmannslehrling in einer einklassigen Dorfschule als "Nebenschullehrer". Später bekleidete er in Klostersande die Stelle eines Elementarlehrers. Später besuchte Heinrich das Seminar in Segeberg, dass er drei Jahre später nach rühmlich bestandenem Examen verließ.
In diesem Tage vollführte Witt den Schritt, der zwischen dem "Herr, ich will" und dem "Herr, ich tue" liegt.
Er schreibt:" Ja, ich habe Weihnachtsfreude! ich denke so: Der Herr aller dieser Millionen Sonnen und Weltkörper hat unsere winzige, kleine Erde nicht für zu klein erachtet, auf ihr zu leben, wie ein hilfloses Menschenkind auf ihr geboren zu werden. Er hat unter allen Seinen Millionen von Wesen sich des Menschen besonders angenommen, ja, er hat an mich gedacht, an meinen Schmerz, an meine Freude, an meine Sünde, an mich, das Sonnenstäubchen im Weltall. Ist das Gottes, dieses großen, unendlich erhabenen Gottes unwürdig? O nein, das ist eben Seine Größe, dass Er auch mich umfasst mit all meinen kleinlichen Hoffnungen und Befürchtungen mit meinen Wünschen und Bitten. Da kommt Er nun heute wieder und spricht auch zu mir: Ich verkündige dir große Freude, siehe, ich will dir gnädig sein! Komm nur, du darfst kommen mit all deinen Anliegen, komm, ich will dir helfen, ich will dir allen Kummer nehmen, vertrau nur mir! Ist das nicht zum Freuen? Ja, ich freue mich, und ich komme. Ich will Sein sein, ganz, immer!"
Und der Herr hat ihn angenommen, hat ihm alle seine Sünden vergeben und ihm die Gewißheit des Heils geschenkt. O wie Witt sich glücklich fühlte! Gottes Wohlgefallen ruhte auf ihm, und tiefer Friede erfüllte sein Herz. Alle Furcht des Todes war dahin. Er wusste es, wenn Gott ihn in diesem Augenblick abrufen sollte, würde er selig heimgehen.
Seine Umwandlung trat nun auch in seinem Umgang mit seinen Kindern zutage, denn Witt konnte ihnen Opfer bringen. Darüber schreibt er:" Ich habe als Hauslehrer die Kinder freiwillig bis 9 Uhr abends bei mir gehabt, ihnen vorgelesen, mit ihnen gespielt wie ein Kind und habe mich gerade dabei sehr glücklich gefühlt."
"Ich mache so oft die Erfahrung," sagt Witt einmal, "dass die ganze Kunst des Unterrichts und namentlich des Erziehens einzig und allein in der Liebe besteht. Wir müssen es dahin bringen, dass immer ein ruhiger, sanfter Friede uns durchweht." Wir haben es dabei mit einem mächtigen Feinde zu tun. "Dieser ist ein ganzes Heer. General ist Lieblosigkeit. Hilfs- oder vielmehr Diensttruppen sind: Ungeduld, Heftigkeit, Härte, Unfreundlichkeit - alles lauter Teufel für die Erziehung. Sie müssen aber heraus, und die Liebe Christi muss bleibende Wohnung in uns machen. Unmöglich ist es nicht, nur Treue ist not."
Pastor v. Bodelschwinghs Erinnerungen
Es ist mir namentlich unvergesslich geblieben, wie Witt den Michel Jakob gewann, einen auf den Gassen von Paris ohne jeden Unterricht aufgewachsenen Knaben, der schon das zwölfte Jahr überschritten hatte. Er trieb sich nachts gewöhnlich vor den Theatern umher, um dort durch aufmachen der Wagen sich Geld zu verdienen, das er wohl auf unnütze Weise durchbrachte, so dass er schon oft mit dem Gefängnis Bekanntschaft gemacht hatte. Sein armer Vater hat es an Schlägen nicht fehlen lassen, blaue Flecke gab es an seinem Leibe übergenug, mit Schlägen sollte er nun auch in die Schule gezwungen werden. Da kam es denn wohl einen Tag, und den andern war er wieder verschwunden. Was tat Freund Witt? - Nahm er auch den Stock in die Hand?
O nein! Abends ganz spät, wenn er hoffen konnte, dass Jakob von seinen Streifzügen heimgekehrt sei, erschien er in der Wohnung der Eltern. Ohne ein Wort des Tadels setzte er sich neben den armen Jungen, sagte höchstens:" Jakob, du hast wohl heute nicht in die Schule kommen können, so muss ich wohl zu dir kommen," nahm die Fibel vor und fing mit aller Geduld und Sanftmut an, das ABC mit ihm zu treiben, und dies tat er nicht einmal, das tat er wieder und wieder, und das hielt der Jakob nicht aus, diese Liebe war ihm doch zu stark, nun kam er willig regelmäßig zur Schule.
Einmal, an einem Karfreitagmorgen, sah ich ihn vor unserm Fenster stehen und einen mächtigen langen Zweig einer wilden Rose anstarren, welche vor Witts Fenster stand (wir hatten uns wilde Rosen in den Festungsanlagen gesucht und uns selbst auf den Hügel angepflanzt, um sie später zu veredeln). Ich kam gerade von außen her und sah Jakob dort stehen. Als er mich erblickte, war er einen Augenblick verlegen und fragte dann:" Waren das solche Dornen, Herr Pfarrer, die der Heiland am Karfreitag um Sein Haupt gehabt hat?" Ich sagte:" Ja, Jakob, und die Dornen an Seinem Haupt waren noch länger; und sie sind an Seinem Haupt hängengeblieben, als Er das verlorne Schäflein suchte." Darauf blickte Jakob mich mit großen Augen an und sagte:" Ich war auch verloren!" Dies ist ein Beispiel von vielen verlorenen Kindern, die hoffentlich der willige Arbeiter unter der versinkenden Jugend der Hauptstadt am großen Tage wiederfinden wird.
Und wie ist es ihm in diesem Kampfe ergangen?
Er schreibt darüber: " Ich bemühe mich, in der Liebe zu bleiben, aber mitten unter meinen besten Vorsätzen tut das alte Fleisch immer wieder Ausfälle. Ich bin oft so leicht gereizt, ich fühle das, ich kämpfe, aber plötzlich scheint´s doch unerträglich, unverantwortlich, was die Kinder tun, ich platze los, vielleicht nur einige bittere Bemerkungen, aber bitter, das fühle ich. Die Aufregung schwindet schnell, die Besonnenheit kehrt wieder und die Reue mit. So geht´s einen Tag, wie den andern, manchmal besser, manchmal schlechter."
"Man hört von Kraftmännern, die mit gewaltiger Hand sich den Gehorsam erzwingen. Aber was ist denn nun damit erreicht? Der Trotz ist geknickt, aber was nun im Herzen? Liebe doch nicht? Und wie kann sich ein solcher Lehrer hinstellen und von der Geduld und Sanftmut Jesu erzählen? Muss er nicht erröten vor den Kindern? Aber werden wir mit der Liebe allein die wilden Jungen bändigen? Die Missionare haben mit keiner andern Macht Menschenfresser gebändigt, und das sind unsere Jungen doch noch lange nicht. Wir sollen nur Glauben, Liebe und Geduld haben, das ist die Sache!
Das alles sehe ich klar ein, und doch, ich fehle stündlich fast dagegen; wo soll das hinaus! ich verzage nicht, ich denke an das "Fruchtbringen in Geduld", an das "Beharren bis ans Ende", und dass uns Gott wolle behüten und erhalten.
Eine wichtige Entdeckung machte Witt nun. "Merkwürdig," so schreibt er weiter, "heute waren die Kinder auch ganz anders, nicht nur wie mir vorkam, sie waren es wirklich. Und das habe ich so oft schon erfahren: Wie es in mir aussieht, so macht sich die Umgebung. Es ist wohl wahr, was Zeller sagt:" Je gehorsamer du gegen den Herrn bist, desto gehorsamer pflegen deine Kinder gegen dich zu sein" und " Je völliger du dich vom Herrn ziehen und leiten lässest, desto lieber lassen deine Kinder sich von dir ziehen und leiten".
Alle Beweise, alle wirklichen Strafen, sobald sie aus ärgerlichem, bitterem Herzen kommen, können nie bessern: Aus dem Bösen kann nie Gutes hervorgehen. Nur was aus der Liebe kommt, hat wahrhaft bessernde Kraft."
Bekennermut
Witt hat seine angehenden Lehrer und Lehrerinnen auf Christentum hingewiesen, aber das war ihm nicht genug, sondern er suchte auch solchen, die bereits im Amte standen, dienen zu können. Wie fing es da an? Nun wenn er auf Konferenzen Gelegenheit hatte, so war er mutig genug, frei und offen seine Meinung auszusprechen.
"Ich meine," äußerte er einmal, "dass wir als Lehrer auch unseren Kollegen und namentlich unseren jüngeren Kollegen, die sich von allerlei Wind der Lehre, wie er in der Tagespresse, in gottlosen Schriften und auch in Lehrerkonferenzen weht, leicht hin und her wiegen und endlich von dem einigen, festen Grund verwehen lassen, auch ein Bekenntnis schuldig sind." "Mich dünkt, das sollten wir nachgerade gelernt haben, dass alles Lavieren, Sanfttun und Rücksichtnehmen nichts nützt, sondern nur der Meinung Vorschub leistet, als hätten wir selber kein rechtes Vertrauen mehr zu unserer Sache.
Ich glaube sicher, dass aller Spott und Hohn des Unglaubens, alle Beweisgründe einer falschen und gottlosen Wissenschaft der Sache des Herrn nicht so viel geschadet haben, als die feige Zurückhaltung und das vorsichtige Leisetreten derer, die zu einem offenen und freien Bekenntnis verpflichtet waren.
Und diesen Zeugenmut hat Witt immer bewiesen. "Es ist kein wahres Gebet und auch keine Erhörung denkbar, wenn wir uns nicht aufrichtig bekehren." Wenn er so oder ähnlich aussprach, blieb er in der Regel unverstanden. Dies zu entdecken, war für Witt recht schmerzlich, denn gerade solche, mit denen er sich früher eins wusste, auch sein vertrautester Freund, zogen sich von ihm zurück,
Diejenigen Lehrer dagegen, die mit ihm auf gleichem Glaubensgrunde standen, welche mit der Hand auf dem Herzen sagen konnten:" ich weiß, Herr, dass ich Dich liebhabe," suchte er miteinander zu vereinigen. Und Gott gab Seinen Segen dazu.
So wurde er der Gründer der "Norddeutschen Lehrergemeinschaft" und damit der ersten Lehrervereinigung dieser Art.
Mehr noch als von dem Unterricht erwartete Witt von der Fürbitte für die Kinder großen Segen, denn seiner eigenen Ohnmacht war es sich völlig bewusst: "Ich kann nicht einmal meine eigenen Kinder erziehen," äußerte er einmal, "wie sollte ich dann imstande sein, die mir anvertrauten zu erziehen?" So fühlte er sich also auf die Hilfe Gottes angewiesen.
"Stehen wir selbst nicht in lebendigem Glauben, und nehmen wir selbst nicht täglich darin zu, dann ist alles Bemühen vergeblich." "Wir müssen bei uns selber anfangen. Nur wer selbst Leben hat, kann Leben mitteilen."
"Wir hochmütigen Schulmeister meinen immer wunder, was wir alles sein und werden müssen, und vergessen dabei, dass wir nur dann etwas wirken können, wenn wir recht klein geworden sind in unseren Augen."
"Weine nicht über die Unarten der verzogenen Kinder, sondern über deine Gewissenlosigkeit, Untreue, Heftigkeit, Ungeduld, kurz, über deine eigene jämmerliche Figur, dann sollst du nur einmal sehen, erstens wie liebenswürdig Dir die Kinder erscheinen, weil soviel besser als Du, und zweitens wie merkwürdig artig und folgsam, freundlich und willig sie dann werden." Und von sich selber berichtet Witt:" Wenn ich hochfahrend und daher ungeduldig und lieblos bin, so stoße ich überall an; bin ich aber niedrig in meinen Augen und infolgedessen geduldig und sanftmütig, so geht alles von selbst."
Am 20. Februar 1893 starb Heinrich Witt. Als seinen Grabspruch wählte er "Jesus nimmt die Sünder an" (Lk 15, 2) Das war der Spruch, den er erwählte, und das waren bis zuletzt die Gefühle, die ihn bewegten.
Möchte der Herr aber in Seiner Gnade Seinen besonderen Segen auf dieses Lebensbild legen, dass die Segensströme, die noch nach Witts Tode von ihm ausgehen, reichlicher fließen, als zu seinen Lebzeiten.
Ich wünsche mir, dass auch wir Lehrerinnen und Lehrer im 21. Jahrhundert (und darüber hinaus!) viel aus dem Leben unseres Kollegen Witt lernen und weitergeben können. Möge auch uns der HERR ein Herz voller Liebe für unsere Schülerinnen u. Schüler bereiten, möge Er uns die Kraft, die Geduld und die Freude für unseren Beruf (Berufung?) schenken!
Burkhard